Wahl 2016

Interview im Stachel: Unsere Kandidat*innen für das Abgeordnetenhaus

Die Kandidat*innen für die Direktmandate der fünf Wahlkreise unseres Bezirks stellen sich vor. Alle fünf vertreten uns auch jetzt schon im Abgeordnetenhaus. Der Stachel hat ihnen sechs Fragen gestellt.

 

Clara Herrmann

Wahlkreis 4

31, Geografin, Berlinerin, ich lebe im Hain, kämpfe für gerechte Finanzen und gegen Nazis

 

1. Was muss in Berlin am dringendsten anders werden?

Berlin ist meine Heimat und als waschechte Berlinerin überrascht es nicht, dass es für mich einfach die wunderbarste Stadt ist. Aber Berlin wird schlecht regiert. Wer hat sich nicht schon geärgert, wenn morgens die S-Bahn ausfällt, wenn man auf dem Bürgeramt wochenlang keinen Termin bekommt, in Schulen das Wasser von der Decke tropft oder am Phantomflughafen BER Milliarden verbrannt werden. Wofür das Geld der Steuerzahler*innen ausgeben wird, ist für mich eine zentrale Gerechtigkeitsfrage. Wir dürfen unseren Kindern keine milliardenschweren Schuldenberge, keine marode Infrastruktur und den Ausverkauf öffentlicher Grundstücke hinterlassen. Die drängendste Frage ist, wie Berlin eine lebenswerte Großstadt für alle sein und bleiben kann. Berlin muss wieder funktionieren und zukunftsfähig gestaltet werden.

2. Was ist für Dich die wichtigste Motivation für Dein politisches Engagement?

Die Zahl rechter Gewalttaten ist in Berlin dramatisch gestiegen. Friedrichshain-Kreuzberg zählt noch immer zu den Bezirken mit den meisten rechten Angriffen. Gerade angesichts dieser Entwicklung dürfen die Sicherheitsbehörden auf dem rechten Auge nicht blind sein. Im Kampf gegen Rechts setze ich auf eine starke Zivilgesellschaft und Prävention. Nicht nur im Parlament, sondern auch vor Ort zeige ich klare Kante gegen Rechts.

 3. Und was gefällt Dir weniger am politischen Geschäft?

Da gibt es so einiges. Filz und Korruption haben in Berlin eine lange Geschichte, z.B. der Bankenskandal, den wir heute noch abbezahlen. Oder wenn ich daran denke, wie SPD und Linke öffentliche Wohnungen verscherbelt haben.

4. Berlin 2020: Was ist Deine Vision?

Bezahlbare Wohnungen, Radwege, schöne Schulen, grüne Oasen, Trinkwasserbrunnen und vieles mehr. Ein faires, tolerantes und grünes Berlin, indem jede*r Zuhause ist. Dazu zählt auch, einen stärkeren Beitrag für eine gerechtere Welt zu leisten. So sollte das Land Produkte, die unter nachhaltigen und sozialen Bedingungen hergestellt werden, einkaufen. Berlin soll spätestens 2020 Fair-Trade-Town sein.

 5. ... und 2030?

In den nächsten Jahren wird es darauf ankommen, die Chancen der steigenden Einwohnerzahl unserer Stadt zu nutzen und dabei den Charme Berlins nicht kaputt zu machen. Schulen und Krankenhäuser müssen saniert, Straßenbahnen und Radwege ausgebaut und grüne Oasen geschaffen werden. Außerdem müssen wir Gentrifizierung und Verdrängung entgegen wirken und Räume für Kultur oder Sport erhalten.

 6. Friedrichshain-Kreuzberg ist für mich ...

...seit vielen Jahren mein Zuhause. Friedrichshain-Kreuzberg ist vielseitig, bunt und voller politischer Herausforderungen. Ich freue mich, dass ich nach 2006 und 2011 erneut die bündnisgrüne Direktkandidatin für den Wahlkreis 4 in Friedrichshain bin. Der westliche Friedrichshain vom Ostbahnhof bis zum Frankfurter Tor und zwischen der Weberwiese und dem Volkspark Friedrichshain hat viele spannende Seiten. Nicht nur im Richard-Sorge-Kiez steht das Thema Mietsteigerungen und Verdrängung auf der Tagesordnung. Im gesamten Kiez arbeiten wir für eine soziale und funktionierende Infrastruktur - von einer guten Fahrradinfrastruktur über ausreichend Schulplätze und Mehr-Generationen-Begegnungszentren bis hin zum Erhalt des Yaam oder der East-Side-Gallery.

Die gesamte Ausgabe des Stachels finden Sie hier.