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Mein Artikel aus dem "Stachel" Nr.29 vom 30.06.200

Braune Vergiftung oder der zunehmende Rechtsextremismus in Friedrichshain

Wer an Friedrichshain denkt, dem kommen zu allererst die bunten Szenekieze um die Simon Dach Straße und die Sonntagstraße, der zunehmend spürbare Kinderboom im Bezirk oder die linke Szene mit den Hausbesetzungen in den Sinn. Wer käme bei diesen Gedankengängen schon darauf, dass der Stadtteil zunehmend in den Fokus Rechtsradikaler rückt. Denn es vergeht kaum eine Woche ohne rechtsextreme Gewalt- oder Straftaten in Friedrichshain.

Eine räumliche Häufung der rechtsextremen Vorfälle lässt sich rund um die Frankfurter Allee, das Ostkreuz und den Ostbahnhof feststellen. Die rechtsextreme Szene verfolgt hier in den vergangenen Jahren eine besonders offensive Strategie. In Friedrichshain leben derzeit circa 30 Personen, die dem Senat auf Grund rechtsextremistischer Bestrebungen bekannt sind. Nazis kommen aber auch aus anderen Stadtteilen, insbesondere aus Lichtenberg und haben unter anderem Kneipen als Treffpunkte in Friedrichshain. Dort in der Nähr beleidigen sie Personen, die nicht in ihr Weltbild passen oder werden ihnen gegenüber gewalttätig. Opfer sind dabei meist MigrantInnen und Linksalternative.

Seit einigen Jahren ist der Bezirk trauriger Anführer der Liste rechtsextremer Vorfälle der Berliner Opferberatungsstelle ReachOut. Sie hat vergangenes Jahr 27 solcher Gewalttaten registriert, 2006 waren es sogar 51. Dabei schaffen es lediglich die spektakulärsten Fälle in die Presseöffentlichkeit, der Großteil der alltäglichen rechtsextremen Untaten geht bedauerlicher Weise im Alltagsgeschäft unter. Kein Kiez darf sich diese Provokation bieten lassen - ein multikultureller, linksorientierter und toleranter Kiez schon erst recht nicht.

Die rechte Szene hat sich stark verändert und versucht mit ihrer extremen Ideologie in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen. Das Klischee vom glatzköpfigen, bomberjackentragendem Nazi trifft dabei fast gar nicht mehr zu. Heute kleiden sich Rechtsextreme mit Che- Guevara-T-Shirts oder adretter Kleidung, die erst auf dem zweiten Blick erkennbar mit völkischer und rechter Symbolik beladen ist - wie die Kleidung der Marke Thor Steinar. Solche Anziehsachen werden auch im Laden Doorbreaker im Ringcenter 2 angeboten, der sich direkt auf der Lichtenberger Seite der Ringbahn befindet.

Insgesamt fühlt man sich durch die geballten Aggressivität von Nazis und RassistInnen schnell in die Ecke gedrängt. Doch genau das ist die falsche Reaktion; die Zivilgesellschaft ist stärker, wenn sie sich EINMISCHT und zusammenhält. So ist Anfang März ein 19 jähriger Mann angolanischer Herkunft, der von einer Frau vor die S-Bahn geschubst wurde, von einschreitenden HelferInnen gerettet worden. Auch die Initiative gegen Rechts in Friedrichshain setzt sich gegen Menschenfeindlichkeit und für ein friedliches Miteinander ein. Diese Beispiele zeigen, dass schon viele Friedrichshainerinnen und Friedrichshainer dem Rechtsextremismus keinen Raum in ihrem Kiez einräumen wollen und mit den demokratischen Kräften gemeinsam für einen offenen und toleranten Bezirk kämpfen. Unterstützt sie dabei!