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Qualität der Ausbildungs- und Berufsfähigkeit der Berliner Schulabgängerinnen und Schulabgänger

Meine Rede zum Antrag der CDU der 38. Sitzung vom 27.11.2008, im Plenarprotokoll ist die gesamte Debatte zu finden. 

 

Außerdem könnt Ihr euch meine Rede unter dem Link hier ansehen.

 

Vizepräsident Dr. Uwe Lehmann-Brauns:

Vielen Dank! Das Wort für die Fraktion der Grünen hat die Kollegin Hermann.

 

Clara Herrmann (Grüne):

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich glaube, Sie haben Ihren eigenen Antrag nicht richtig gelesen, Herr Luchterhand. Sie haben hier viele schöne Worte gesagt, aber nicht konkret zu Ihrem Antrag gesprochen.

 

[Beifall bei den Grünen]

 

Ich muss Ihnen leider sagen ? und das ein bisschen deutlicher als Frau Müller? Wir halten diesen Antrag für wewenig zielführend, ja sogar für einen Schaufensterantrag. Ich erkläre Ihnen jetzt kurz, warum. Wir haben heute die PISA-Debatte gehabt. Sie hat eines deutlich gemacht, nämlich dass Berliner Kinder und Jugendliche nicht ausreichend gestärkt werden und nicht genügend Kompetenzen in der Schule erwerben. Das ist doch in der Aktuellen Stunde deutlich geworden. Ich habe nicht verstanden, was Sie mit Ihrem Antrag daran ändern wollen, denn Ihr Antrag ist eine reine Rundumevaluation der Dinge, die wir bereits wissen. Das bringt den Berliner Kindern und Jugendlichen gar nichts.

 

[Beifall bei den Grünen ? Beifall von Stefan Liebich (Linksfraktion)]

 

Aber zu den einzelnen Punkten: Arbeitslehre, Berufsorientierung, Betriebspraktika und Berufsberatung werden nicht wie von uns gefordert ? ausreichend evaluiert. Der Bezirk Mitte hat mit einem Berufsorientierungsprogramm vorgemacht, wie es nicht zielführend klappt. Die Maßnahme, die von einem Träger an den Schulen angeboten und vom Träger selbst evaluiert wurde, ist, ohne die Ergebnisse abzuwarten, auf die Fläche in Gesamtberlin transferiert worden. Nun liegen die Ergebnisse aus dem Bezirk Mitte vor, und diese Ergebnisse sind erschreckend, obwohl es eine Selbstevaluation war. Diese Ergebnisse zeigen, dass ein Drittel der Schülerinnen und Schüler, die vor den Maßnahmen eine sehr hohe Erwartung hatten, danach enttäuscht sind. Das spricht für einen Motivationsverlust und nicht für einen Motivationsgewinn. Das ist kläglich. [Beifall bei den Grünen] Die Wirkungen des Programms Vertiefte Berufsorientierung sind nicht bekannt. Mit nicht zielführenden Maßnahmen im Bereich der Berufsorientierung und Berufsvorbereitung muss Schluss sein. Der Übergang von Schule in den Beruf muss verbessert werden. Dabei geht es aus grüner Sicht insbesondere darum, dass junge Menschen, die die Schule verlassen und selbstbestimmt Verantwortung für ihren eigenen Werdegang übernehmen können, nicht darum, Maßnahmendurchschleusungssysteme, -warteschleifen oder -feststeckungsschleifen zu generieren. Die Vorschläge von Herrn Zöllner, das duale und produktive Lernen als neues pädagogisches Konzept in der Sek I einzuführen, sind richtig.

 

Zweitens. Die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Defiziten an Berliner Sonderschulen führt für diese derzeit nicht dazu, erfolgreiche Abschlüsse zu erlangen. Klar wissenschaftlich belegt ist, dass der integrative Unterricht mit entsprechender Begleitung durch Förderpersonal hier erfolgreicher ist. Dafür benötigen wir keine weiteren gesonderten Analysen. Das wissen wir bereits. Drittens. Um die Auswirkung der Lehrerfort- und -weiterbildung auf die Unterrichtsqualität darstellen zu können, wäre eine wissenschaftliche Begleitung der Maßnahmen nötig gewesen. Uns reichte es an dieser Stelle schon, wenn der Berliner Senat eine klare Fort- und Weiterbildungsstrategie auflegte. Es fehlt an Bildungszielen und entsprechend professionellen Strukturen. Wenn der Senat keine Konzepte findet, ist das ein Armutszeugnis. Dann müssen wir das tun.

 

[Beifall bei den Grünen ? Mieke Senftleben (FDP): Die Schulen müssen das tun!]

 

Viertens. Wir alle sind der Auffassung, die Eigenverantwortung von Schulen ist zu stärken. Darüber haben wir auch häufiger im Bildungsausschuss diskutiert. Eigenverantwortliches Handeln ist immer dann zu unterstützen, wenn Schulen Unterrichtsentwicklung betreiben, individuelles Fördern als ihre Aufgabe sehen und dies in ihrem Schulprofil konzeptionell unterlegen. In der Umsetzung hin zu mehr Eigenverantwortung ist Berlin noch nicht da, wo wir hinwollen. Für die Umsetzung brauchen wir aber nicht weitere Evaluationen, sondern wir müssen beginnen zu handeln.

 

[Beifall bei den Grünen]

 

PISA hat wieder einmal bestätigt: Die Hauptschule in Berlin muss als eigenes, nicht förderliches Lernmilieu endlich abgeschafft werden.

 

[Beifall bei den Grünen]

 

Liebe CDU! Wir brauchen eine Schulreform mit mehr gemeinsamem Lernen, mit gezielten Förderangeboten, mit einer auf den ganzen Unterricht bezogenen Sprachförderung, die durch ein bilinguales Angebot ergänzt wird, mit Angeboten des produktiven und dualen Lernens, eine Schulstruktur, die die Kooperation u. a. mit Jugendhilfe und Wirtschaft ermöglicht und alles andere, was in der PISA-Debatte von vielen Bildungspolitikern und -politikerinnen gesagt worden ist, nicht weitere Evaluationen der Konzepte, Versuche oder Projekte, die in der Schullandschaft schon gemacht wurden. Entschließen Sie sich lieber, liebe CDU, endlich diese Debatte der Schulreform konstruktiv zu begleiten, und verabschieden Sie sich von antiquierten bildungspolitischen Chimären wie der erfolgreichen Hauptschule, der Förderung von Schülerinnen und Schülern in homogenen Gruppen oder einer Rundumevaluation bekannter Sachverhalte! Damit wäre den Berliner Schülerinnen und Schülern mehr geholfen, und es würde ihnen mehr Perspektive geboten. Danke!

 

[Beifall bei den Grünen und der Linksfraktion]

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