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Berliner Modeförderung ohne magere Models – Gesundheitsstandards für Models in der Berliner Modebranche einführen

Das Plenarprotokoll finden Sie Hier.

Clara Herrmann (Grüne) [zu Protokoll gegeben]:


Berlin ist spannend, kreativ und aufregend. Dazu trägt die Modebranche nicht unwesentlich bei. Berlin und ganz besonders der Regierende Bürgermeister schmücken sich damit. Was sich hinter den Laufstegen abspielt, bleibt den Modefreundinnen und -freunden jedoch verborgen. Models hungern sich an den Rand ihrer Existenz, um dem Schönheitsideal dünn, dünner, Knochengestell zu entsprechen. Eigentlich wären an dieser Stelle Fotos von abgemagerten Models wesentlich aussagekräftiger als alle Worte, aber ich überlasse es Ihrer Vorstellungskraft, wie junge Menschen aussehen, die nichts essen oder sich bestenfalls von in Orangensaft getränkten Wattebäuschchen ernähren und bei einer Körpergröße von 1,75 m nicht mal mehr 45 kg wiegen.


Auch in Berlin gibt es das. So berichten Beratungsstellen, dass die jungen Menschen, die bei ihnen wegen Magersucht oder Bulimie in Beratung sind, von Agenten auf der Straße angesprochen werden, ob sie nicht Model werden wollen. Viele Studien zeigen, dass ein ungesundes Schönheitsideal gesellschaftliche Auswirkungen hat. Jeder fünfte Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren weist heute Symptome von Essstörungen auf. Magersucht und Bulimie gehören zu den häufigsten chronischen Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. 8 Prozent der 6- bis 17-jährigen Jungen und Mädchen wiegen zu wenig. 50 Prozent aller Mädchen unter 15 Jahren halten sich für zu dick – bei Normal- oder Untergewicht. 90 Prozent der weiblichen Teenager wollen abnehmen. Und der Magerwahn nimmt immer krassere Ausprägungen an. Im Internet gibt es Foren, in denen sich Menschen gegenseitig anstacheln, immer weniger zu essen. Fast jede/r Fünfte stirbt an seiner Magersucht. Dafür mitverantwortlich ist auch das in den allermeisten Fällen ungesunde Schönheitsideal, das über die Mode- und Werbebranche vermittelt wird.
In anderen Modemetropolen wurde bereits auf die zunehmende Gesundheitsgefahr, die von einem solchen Schönheitsideal ausgeht, mit Auflagen für die Veranstalter von Modemessen reagiert. In Spanien hat die „Pasarela Cibeles“ als erste Modenschau der Welt bereits 2006 ein Auftrittsverbot für zu dünne Models durchgesetzt. Die von der Madrider Regionalregierung mitfinanzierte Modenschau folgte damit einer Empfehlung des spanischen Parlaments, das einem ungesund mageren Schönheitsideal ein Ende bereiten will. Minimum für Models in Madrid ist ein Body-Mass-Index von 18. Das entspricht einem Gewicht von mindestens 56 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,75 Metern. Auch das würde wohl niemand hier als übergewichtig oder gar dick bezeichnen. Die Models in Mailand müssen ein ärztliches Attest vorlegen, das bestätigt, dass sie bei guter Gesundheit sind und an keiner Essstörung leiden. Außerdem dürften nur Models über 16 Jahren teilnehmen. Was den internationalen Modemetropolen Mailand und Madrid nicht schadet, kann auch für Berlin kein Fehler sein.


Der Senat zeigt sich bisher zurückhaltend und sieht anscheinend keinen Handlungsbedarf. Was geht es uns als Land Berlin an? – fragen sich einige. Deshalb möchte ich Sie daran erinnern, dass, wer zahlt, auch die Musik bestimmen darf: In Berlin fließen öffentliche Gelder in zahlreiche Projekte der Modebranche, darunter in die Kofinanzierung der Mercedes-Benz Fashion Week im letzten Jahr die nicht unbeträchtliche Summe von 200 000 Euro. Wir meinen, wenn sich Berlin mit seiner Modebranche schmückt, dann mit Verantwortungsbewusstsein. Daher fordern wir zum einen den Senat auf, für die Förderung von Präsentationen der Berliner Modebranche mit den Akteuren ein Anreizsystem zu entwickeln, welches zum Ziel hat, dass Gesundheitsstandards für die Models eingeführt werden. Zum anderen brauchen wir mehr Akteure, die sich selbst verpflichten, keine Werbe-verträge mit untergewichtigen Models abzuschließen bzw. diese nicht in ihre Karteien aufzunehmen. Dabei sollen sie sich an den Kriterien der Nationalen Charta der deutschen Textil- und Modebranche orientieren. Diese wurden 2008 gemeinsam im Rahmen der Initiative „Leben hat Gewicht“ entwickelt. Die Unterzeichner und Unterzeichnerinnen bekennen sich zu ihrer gesellschaftlichen Verant-wortung, setzen sich für die Vermittlung eines gesunden Körperbildes ein und dafür, keine Magermodels auf Laufstegen oder bei Fotoshootings einzusetzen. Die Vorbildfunktion für junge Männer und Frauen ist nicht zu unterschätzen, und wir haben mit über diese Vorbildfunktion zu entscheiden. Andere Standorte großer Modemessen haben vorgelegt, und es wäre ein Armutszeugnis, wenn Berlin dahinter zurückbliebe.


Der Senat darf sich dieser Verantwortung nicht entziehen. Noch einmal:

 

Es geht nicht um Zwang oder Überregulierung. Wir setzen auf Anreize und Selbstverpflichtung. Dass Armut nicht sexy ist, haben wir in zehn Jahren Rot-Rot deutlich gesehen. Und auch Magersucht und Essstö-rungen sind alles andere als attraktiv oder gar sexy. Ich würde mir im Interesse der Kinder und Jugendlichen wünschen, dass Sie sich unserem Antrag anschließen. Schönheit und Gesundheit dürfen kein Widerspruch sein.

D